Citroën SM – Schneller „Grand Tourisme“

Citroën – widmen wir uns in diesem Artikel einer Marke, die wie keine andere die Meinungen in zwei Lager teilt. Während die eine Hälfte die Fahrzeuge für außergewöhnliche Design Ikonen hält, ist die Meinung der anderen Hälfte ziemlich genau das Gegenteil davon. Nun lässt sich das alles recht nüchtern und objektiv betrachten.

Einen Citroën SM nüchtern-sachlich betrachten?

Rein nüchtern betrachtet muß man den Franzosen zugestehen, daß die Formensprache eine wirklich eigene ist. Verschroben vielleicht, aber doch meist anders eben als von anderen Herstellern. Objektiv betrachtet sind natürlich das Faible für Technikspielereien zu nennen. Und da hat Citroën ganz geschickt etwas in die Köpfe der Betrachter gepflanzt: irgendwie verbindet man mit der Marke immer einen sänftengleichen Komfort und will federleicht über sämtliche Unebenheiten der Straßen gleiten.

Citroën SM – Grand Tourisme

Mit der Einleitung haben wir etwas ausgeholt, aber schließlich will so ein Thema behutsam angefasst werden. Denn der Citroën SM zählt nicht unbedingt zu den Fahrzeugen, wo jeder sofort anerkennend nickt und die Geschichte des Fahrzeuges rezitiert. Er wurde mit viel Aufwand entwickelt – nur um anschließend stillschweigend nach nur kurzer Bauzeit wieder aus dem Modellprogramm zu verschwinden. Doch springen wir zum Anfang der Geschichte des SM, diese beginnt im Jahre 1970. Für Citroën war es ein sehr erfolgreiches Jahr mit rund 700.000 verkauften Autos. Das Ego freute sich und ebnete den Weg für ein neues Projekt: das Wankelmotor-Programm.

Der SM ist das neue Prestigeauto der Franzosen

Seine Ursprünge hat der SM im Jahre 1966. Sein Schöpfer war Jacques Né, der von Citroën den Auftrag erhielt eine schnellere Version der DS auf die Räder zu stellen. Mit dem SM wollte Né aber kein Fahrzeug mit Allerweltsgesicht schaffen, daß aus seiner Basis lediglich etwas mehr Sportsgeist generierte.

Wir haben es bereits angesprochen, das Thema Komfort. Und so läutete der Citroën SM die Ära des „Grand Tourisme“ der Marke ein. Sportlichkeit – aber ohne dabei bitte auf Komfort zu verzichten. Von der DS erbte der SM die Hydraulik mit Gasfederkugeln und Höhenkorrektor, gute Zutaten für Fahrkomfort. An der Front fällt sofort die Scheinwerferbatterie auf. Sechs Halogenscheinwerfer mit automatischer Höhenkorrektur sorgen für eine gute Fahrbahnausleuchtung, die beiden Fernscheinwerfer lenken sogar mit.

Design aus dem Windkanal

Nicht eben unauffällig: die Linie des Citroën SM lässt erahnen, woher die markante Linienführung der Karosse stammt – direkt aus dem Windkanal. So verbrachten die Designer Stunde um Stunde im Windkanal, um eine bestmögliche Form zu finden, welche dem Wind wenig Angriffsfläche bot. Der Aufwand hat sich gelohnt! Der Wert für „cw x A“ (also das Produkt aus Luftwiderstandsbeiwert und Stirnfläche) fällt mit 0,46 um 25% geringer aus als bei der Basis Citroën DS.

Seine glattflächige Form wird von keinem einzigen Winkel aufgebrochen, der die Luftströmung stören könnte. Selbst die eindrucksvollen Scheinwerfer wurden von den Designern hinter einer Glasabdeckung abgeschottet. Und wo ist das Nummernschild? Natürlich ebenfalls hinter der „Vitrine“. In Deutschland war dazu eine Sondergenehmigung notwendig, weil böse Zungen behaupteten das Kennzeichen sei schwerer abzulesen. Ästhetik hatte der SM also, wenn auch vielleicht nicht unbedingt dem Geschmack einer breiten Käuferschicht entsprechend.

Das sollte denen egal sein, wo das Design des SM voll ins Herz getroffen hat. Puristen schätzen besonders dessen Seitenansicht. In der Sicht von vorn (wie in dem Foto oben) wirken die Züge sehr maskulin, erst die Seitenansicht zeigt den ganzen Charakter des Fahrzeuges. Die flache Windschutzscheibe, das fünfeckige Heckfenster und die hintere Schürze verleihen dem SM Dynamik und diese ganz eigene Formensprache.

Motor von Maserati – kostspielige Diva

Kommen wir zu dem Herzstück des Citroën SM – dem Motor. Dieser sorgt nicht immer für verzückte Gesichter bei seinen Besitzern. Das Triebwerk von Maserati ist technisch aufwändig und kompliziert zu warten. Es gab den SM mit 2,7l und 154–178 PS und als 3,0l mit 180 PS. Das treibt natürlich die Kosten in die Höhe, falls doch ein Zipperlein (oder schlimmer) auftritt.

Der V6 passt klar zu einer sportlichen Fahrweise, nicht unbedingt schlimm. Schließlich wollte der SM sportlicher sein – für die Reise waren aber dann doch hohe Drehzahlen notwenig bis zu seiner Vmax von 220 km/h. Anders als die Alltagsmotoren des DS verlangte der Hochleistungsmotor des SM nach einer peniblen Wartung. Dazu gesellten sich noch diverse Kinderkrankheiten, die ihm den Ruf einbrachten kapriziös und unzuverlässig zu sein. Die bereits angesprochene und regelmäßige Wartung zog kostspielige Reparaturen nach sich, wenn doch ein Problem ausgesessen wurde. Das installierte Fünfganggetriebe kam von Citroën, wobei die letzten beiden Gänge extra lang übersetzt sind um mühelos über die Autobahn zu gleiten. Und genau dafür wurde der SM schließlich entwickelt.

Auch im Rennsport aktiv:

Der kurze Auftritt des SM und sein Produktionsende 1975

1971 liefen die Verkäufe zunächst vielversprechend an und Citroën konnte rund 5.000 Einheiten an seine Händler ausliefern. Doch die Hoffnung daß sich die Geschichte so fortsetzt wird leider enttäuscht. Denn in den kommenden Jahren sinken die Stückzahlen drastisch und der SM mutierte zur Standuhr. Bereits 1975 war Schluss und seine Produktion wurde eingestellt. Gründe mag es einige gegeben haben. Das Design, der heikle Motor, die Ölkrise und vielleicht auch die Geschwindigkeitsbeschränkungen auf Autobahnen. Schnelles Autofahren war damit plötzlich nicht mehr so stark gefragt. Übrig blieben also nur die Liebhaber solcher Fahrzeuge. Die reichten dann aber nicht aus um die Weiterentwicklung zu finanzieren.

Mitten im Sommer 1975 verkündet Citroën dann offiziell den Verkaufsstopp des SM mit den Worten:

„Von der Geschwindigkeit geboren, ist der SM zusammen mit ihr gestorben.“

Da düst er dahin – Citroën SM von 1973

Citroën SM auf dem Markt

Die gute Nachricht: Meistens haben die SM relativ wenig Kilometer auf der Uhr. Deutlich unter 100.000 sind keine Seltenheit. Erstaunlich eigentlich, wenn man davon ausgeht, daß dieses Auto für die lange Fahrt gebaut wurde. Die schlechte Nachricht: Interessenten sollten sich ein Budget setzen, daß einen guten Zustand des Fahrzeuges voraussetzt. Gleichzeitig noch den Wartungsaufwand mit einkalkulieren, der bei dem SM etwas höher ausfällt als bei Exemplaren anderer Hersteller.

So beginnen die Preise bei rund 15.000 Euro, steigen schnell auf 20.000 Euro an um zwischen 30.000 – 40.000 Euro zu enden. Der Markt bietet zum Zeitpunkt dieses Artikels nur 13 Fahrzeuge in ganz Europa. Weite Wege und Sprachbarrieren sollten nicht gescheut werden. Sinnvoll wäre der Kauf über einen Oldtimer und Youngtimer Spezialisten, der sich mit der Materie französischer Fahrzeuge bereits auskennt.

Citroën SM im Internet

Fotos: Hersteller / Citroën

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