Ford Ranger will Platzhirsch bleiben

Der Ford Ranger ist ein alter Hase im Geschäft, und doch (oder gerade deshalb) muss er sich ständig neu beweisen. Der Nachwuchs heftet sich schon an seine Hinterräder, allen voran der neue VW Amarok, der passenderweise nach einem mythischen Jagdwolf benannt ist. Doch der US-Veteran kann sich vorerst behaupten! Das in seiner Kategorie „Allradauto des Jahres 2016“ (Publikumspreis der AUTO BILD ALLRAD) wird auch heuer wieder der meistverkaufte Pick-up in Deutschland sein, das dritte Mal in Folge.

Um sich seinen Bestseller-Status zu bewahren, muss der Ranger stets in Form bleiben – und das tut er auch: Mit dem Modelljahr 2016 erhält er ein umfassendes Facelift, das ihm ein reiferes Antlitz und gleichzeitig mehr Kraft beschert. Dabei folgt er einem Pick-up-Trend, der dem Erfolgsrezept der SUVs entspricht. Er kombiniert seine vorhandene Geländetauglichkeit mit neuen Komfort- und Lifestyle-Elementen.

Der Ford Ranger wird erwachsen

Der Kühlergrill-Einsatz erinnert an den legendären Ford F-150 und verleiht dem Ranger eine martialische Note. Grimmig, fast aggressiv blickt er aus seinen zusammengekniffenen Scheinwerfern und kopiert damit den Ford Everest, der auch hinsichtlich der restlichen Frontpartie Modell stand. Im Innenraum legt der Ranger seine ehemalige Verspieltheit ab und präsentiert sich geradliniger, aufgeräumter und erwachsener.

Optional sind neue Assistenzsysteme an Bord:

Eine Spurhaltekontrolle, ein Notbremsassistent und ein adaptiver Tempomat mit Auffahrwarnsystem hieven den Ranger auf das Sicherheitsniveau eines modernen Pkws, was mit fünf Sternen beim Euro-NCAP-Crashtest goutiert wird – das war zuvor noch keinem Pick-up mit Doppelkabine gelungen.

Vielfältige Karosserie- und Ausstattungsvarianten

Der neue VW Amarok verzichtet fortan auf seine Single-Cab-Version, die beim Ranger fixer Bestandteil bleibt und sich sogar noch verlängern lässt. Denn falls man sich nicht zwischen Einzel- oder Doppelkabine entscheiden kann, wählt man einfach als Zwischenlösung die Extrakabine, deren gegenläufige Doppelflügeltüren den Fondeinstieg zu zwei klappbaren Notsitzen gewähren.

Die Ausstattungslinien heißen XL, XLT, Limited und Wildtrak. Beim letztgenannten Topmodell empfiehlt sich als Lackierung sein exklusives Outdoor-Orange, das sich farblich mit den Sitzeinsätzen und Ziernähten im Innenraum deckt. Dort wartet das SYNC-Infotainmentsystem samt 20,3-cm-Touchscreen, den die Rückfahrkamera mit ihren Aufnahmen speist, damit man beim Zurücksetzen die rund 5,3 Längenmeter sicher in der Parklücke unterbringt.

Wacklige Offroad-Angelegenheit

Doch der Ranger fühlt sich beengt in Parklücken, er sehnt sich nach seiner natürlichen Umgebung: der weitläufigen Wildnis – und das umso mehr, wenn man ihm per Aufpreis eine hintere Differentialsperre plus Tank- und Motorschutz spendiert.

Voller Freude durchquert er dann Staub, Schmutz und Schlamm und bis zu 80 cm tiefe Gewässer, offenbart jedoch beim Klettern ungewohnte Schwächen, wenngleich auf hohem Niveau: Seine Maxima in puncto Steigfähigkeit und Querneigung betragen nur 32 bzw. 35 Grad, was der VW Amarok jeweils um mindestens 13 Grad toppt.

Fortschrittlicher Motor und starrer Allradantrieb

An Kraft mangelt es hingegen nicht: Der 200 PS starke 3,2-Liter-Dieselmotor besitzt einen Zylinder und einen Hubraum-Liter mehr als sein neuer Vierzylinder-Kollege. Dieser leistet wahlweise 130 oder 160 PS und ist laut Ford um rund ein Fünftel sparsamer als zuvor: Das liege neben dem Start-Stopp-System an der Abgasrückführung und der elektro-mechanischen Servolenkung, die beide erstmals beim Ranger integriert sind.

Nur die kleine 130-PS-Variante mit Einzelkabine und 6-Gang-Schaltgetriebe kommt ausschließlich über ihre Hinterräder ins Rollen, bei allen anderen Motor-Getriebe-Karosserie-Kombinationen lässt sich der Allradantrieb starr zuschalten – eine permanente Lösung wie VWs 4MOTION kennt der Ranger nicht, hier besteht definitiv Nachbesserungsbedarf.

Fotos: Ford