Volvo Amazon 120 und 140 – Sichere Klassiker

Wie schon bei Citroën gibt es auch für andere Hersteller so ein typisches Klischeedenken in den Köpfen der Menschen. Beispiel gefällig? Volvo. Ein Volvo ist sicher, robust und vom Design eher unterkühlt – typisch für den hohen Norden. Dieser Ruf kommt nicht von ungefähr, es gab in der Geschichte der schwedischen Marke einige Modelle, die an diesem Denken nicht ganz unschuldig sind. Widmen wir uns in diesem Artikel dem Volvo Amazon, besser bekannt als Volvo 120 und seinem Nachfolger, dem Volvo 140.

Der Volvo 120 Amazon: „Sicherheit“ als Verkaufserfolg

Dem Thema Sicherheit verdankt der schwedische Hersteller seinen bis heute anhaltenden guten Ruf. Wie wichtig und ernst den Schweden der bestmögliche Schutz der Insassen ist, wird auch in aktuellen Entwicklungen immer wieder deutlich. Reisen wir rund 55 Jahre zurück ins Jahr 1956. Mit der Präsentation des Volvo 120, außerhalb Europas auch als Amazon bekannt, lieferten die Ingenieure und Designer ein solides Fahrzeug mit eleganten Design ab.

Und nebenbei war der Volvo 120 auch eines der sichersten Automobile der Welt und verfügte als erstes Fahrzeug überhaupt serienmäßig über Dreipunkt-Sicherheitsgurte. Zu dieser Zeit (und auch auf Jahre später) keine Selbstverständlichkeit. Mit was sich normal am Sitz festgezurrt wurde hatte eher eine Alibi-Funktion, als wirklich effektiv zu schützen.  Dem Volvo 120 folgte zehn Jahre später, an einem Sommertag des Jahres 1966, die Volvo 140 Baureihe. Von Designer Jan Wilsgaard nach dem Leitmotiv „einfach = schön“ entworfen, war der Volvo 140/142/144 und 145 als Kombi zeitlos elegant mit hoher Funktionalität und damals „revolutionärer Sicherheitstechnik“.

Wie durchdacht diese Fahrzeuge damals waren wird auch heute noch deutlich. Schaut man in die Gebrauchtbörsen, zeigt sich ein reger Bestand und noch erfreulicher ist die Tatsache, daß fast alle dieser Amazon noch im normalen Straßenverkehr bewegt werden. Denn noch heute sind sehr viele Volvo 120er und Volvo 140er rund um den Globus auf den Straßen unterwegs. Ein gutes Zeugnis für die Schweden.

Der Volvo Amazon, oder eben 120

Seinen wohlklingenden Namen durfte der Amazon außerhalb Skandinaviens leider nicht tragen, so wurde er dann schlicht Volvo 120 genannt. Das Design des Amazon orientiert sich an italienischen, englischen und amerikanischen Modellen jener Zeit. Und um erneut das unterkühlte Image von Volvo anzusprechen, bei dem 120 war die Linienführung exakt das Ergebis von „einfach = schön“. Würden alle Logos auf den Hersteller entfernt, man würde durchaus eher auf Italien oder England tippen. Anders gesagt: dieses Fahrzeug war einfach schön.

Mit seinem geteilten Grill, den hochgezogenen Ponton-Kotflügeln und den großen Rädern faszinierte er Experten und Kunden gleichermaßen. Erstmals gab es von Volvo eine Serien-Limousine in zweifarbiger Lackierung. Für den Antrieb des Amazon sorgte zunächst ein 60 PS starker 1,6-Liter-Vierzylindermotor. Dessen Kraft wurde per Dreigang-Getriebe auf die Hinterräder übertragen.

Dreipunkt-Sicherheitsgurte serienmäßig

Bereits im folgenden Jahr nach seiner Präsentation im Jahre 1957, entwickelte sich der Amazon zum Verkaufserfolg für die Schweden. Kurze Zeit später feierte der Volvo 122 S Premiere. Mit nun 85 PS und einem Viergang-Getriebe profitierte der Vortrieb deutlich.

Im Jahre 1958 folgte dann ein Highlight, was heutzutage Standard ist im Fahrzeugbau: Als erstes Fahrzeuge der Welt wurde der Volvo Amazon serienmäßig mit Dreipunkt-Sicherheitsgurten an den Vordersitzen ausgerüstet.

Im Straßenverkehr erhöhten die am Kotflügel über Eck gezogenen Frontblinker die Sichtbarkeit bei Abbiegevorgängen. 1961 folgte mit dem Volvo 121 eine zweitürige Version, dieser folgte der Kombi Volvo 220. Auch unter der Haube wurde eine Entwicklung zu mehr Leistung deutlich. Von der Basisversion mit 60 PS bis zum 115 PS starken Volvo 123 GT für sportlich orientierte Kunden fand sich etwas im Programm. Das Viergang-Getriebe konnte optional mit einem Overdrive ausgerüstet werden um Vielfahrer auf der Autobahn anzusprechen. Technisch sinnvoll war der Wechsel von Trommelbremsen auf Scheibenbremsen, ein Tribut der gestiegenen Leistung. Optional konnte eine Servolenkung geordert werden, die seine Vorteile gerade während des Parkens ausspielte.

Volvo 140 – Nachfolger des 120

Volvo war sich um die Nehmerqualitäten des Amazon bewusst und nutzte das Markenimage gezielt aus, um den Nachfolger der Baureihe 140 zu bewerben. Mit dem Slogan „Sicherheit aus Schwedenstahl“ wurde diese 1966 erstmals präsentiert.

Für die Entwicklung haben sich die Ingenieure Zeit gelassen. Wo in heutiger Zeit (besser gesagt Rekordzeit) Autos von der ersten Zeichnung bis zur Montage in kürzester Zeit das Band verlassen, dauerte die Arbeit an der 144 Limousine geschlagene fünf Jahre – bei einem Entwicklungsbudget von umgerechnet 50 Millionen Euro. Auch der Volvo 144 prägte die Schwedenmarke über viele Jahre hinweg weiter. Die von Designer Jan Wilsgaard geschaffene Formensprache blieb bis in die 90er Jahre stilprägend. Erneut war sein Werk sehr schlicht gehalten, ohne dabei das Praktische zu vernachlässigen. Der Innenraum bot dank der geraden Seitenlinie genügend Platz und wirkte durch die großen Glasflächen luftig.

Der Zuspruch durch die Einführung der Dreipunkt-Sicherheitsgurte bestärkte Volvo, auch weiterhin hohes Niveau für den Schutz der Insassen zu bieten. Der Fahrgastraum des 144 war als Sicherheitszelle konstruiert, Front- und Heckbereich verfügten über innovative Knautschzonen. Sogar das Dach wurde mit drei integrierten Überrollbügeln verstärkt, die Lenksäule durch einer Sollbruchstelle entschärft.

Ab Werk wurde nun mit vier Scheibenbremsen verzögert, auch da war der Volvo 144 noch Jahrzehnte später anderen Marken einen Schritt voraus, die weiterhin auf die weniger effektive Trommel setzten.  Das System nutzte einen Bremskraftregler und arbeitete mit zwei Bremskreisen. Dieser wirkte auf beide Vorderräder und ein Hinterrad. Aus neuer Zeit ist das beim Motorrad vor allem  durch Honda und sein CBS bekannt. Vorteil im Auto: beim Ausfall eines Kreises standen trotzdem rund 85% der Bremskraft zur Verfügung. Durch spezielle Druckventilen verhinderten die Entwickler, dass die Räder bei einer Notbremsung blockierten.

Verkaufserfolg für die Schweden, der Volvo 144

Ob ein Modell bei den zahlenden Kunden angenommen wird merkt ein Hersteller relativ schnell. Entweder die Verkäufe stimmen, oder eben nicht. Kein Problem für den 144! Seit dem Beginn der Produktion im Jahre 1966, bis zum Produktionsende im Jahre 1974, produzierten die Schweden rund 1,25 Millionen Fahrzeuge. Auch von der Fachpresse wurde der Wagen wieder mit Begeisterung aufgenommen. Erneut wurder der Titel „sicherstes Auto aller Zeiten“ mehr als einmal vergeben.

In seinem Heimatland wurde der Volvo 144 zum „Auto des Jahres 1966“ gewählt. Seine Premiere feierte der 144 als Viertürer, diesem folgte 1967 mit dem Volvo 142 eine zweitürige Variante und kurze Zeit später ein Kombi als Volvo 145. Angetrieben wurden die Modelle von Vierzylinder-Motoren mit 85 bis zu 115 PS. Sportliche Fahrer sprach der Volvo 142 GT mit einem 140 PS starken 2,0-Liter-Motor an.

Volvo 144 GL von 1972

Über die Jahre wurde beständig an neuen Sicherheitskonzepten getüftelt. Kopfstützen auf den Vordersitzen schützten das Genick bei einem Unfall, Automatik-Sicherheitsgurte und Gurtwarner wurde einmal mehr Standard im Fahrzeugbau. Das letzte Modelljahr 1974 wurde mit Sicherheitsstoßfängern ausgerüstet, welche Energie absorbieren sollten. So schaffte es auch der Volvo aus der 140er Baureihe dank seiner Zuverlässigkeit, Langlebigkeit und dem konstant hohen Sicherheitsniveau zu Ruhm, Ehre und für die Marke zu einem Millionenerfolg.

Volvo Amazon auf dem Markt

Auch mit einem kleineren Budget, muß der Traum eines Amazon nicht unerreichbar bleiben. Die Preise beginnen bei rund 3.000 Euro für Fahrzeuge im abgelebten Zustand. In der Preisklasse um 5.500 bis 8.000 Euro wird das Angebot interessant. Fahrzeuge mit zum Teil wenigen Kilometern und gutem Zustand sind keine Seltenheit. Auch hier gilt: Originalität sollte vorgezogen werden. Sportliche Umbauten erzielen meist nur bei dem seinen geforderten Preis, wenn’s gefällt. Um die 10.000 Euro sind mit etwas Glück sehr liebevoll gepflegte Amazon zu finden.

Volvo Amazon im Internet

Quelle & Bilder: Volvo

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