Audi Ur-Quattro – Macher statt Poser

Das Konzept zum ersten Audi Quattro (auch als Ur-Quattro bekannt) war ziemlich simpel: das Fahrzeug sollte am Boden kleben und Beschleunigung effektiv umsetzen. Der damals leitende Designchef Hartmut Warkuß umschrieb das so: „Der Quattro soll nicht die Eleganz, sondern sein Können in den Vordergrund bringen.“ Und wie er damit Recht haben sollte! Fragt man heute Fans der Marke Audi nach seinem persönlichen Wunschmodell, wird mit großer Wahrscheinlichkeit eben dieser erste Audi Quattro genannt. Was ist an diesem eckigen Fahrzeug, mit denen für die 80er Jahre typischen Formen eigentlich so besonders?

Audi Quattro – irgendwie anders

Ganz nüchtern betrachtet ist das Fahrzeug nicht wirklich schön, es gab zu damaliger Zeit durchaus attraktivere Modelle im Angebot. Doch keines, was Leistung, Rennsport, Sound und diese Mystik so glaubhaft verkörperte. Von der Presse wurde der neue Star am Audi Himmel gefeiert, als Superlative bezeichnet und so kam wie es kommen musste, der Ur-Quattro wurde tatsächlich zur Legende und ist es bis heute geblieben. Das Auto muß auf einen wirken, dann zeigt sich diese ganz eigene Schönheit, welche der Betrachter durchaus verfallen kann. Denn was kam eigentlich nach dem Quattro? Es ist schwer ein Modell zu nennen, daß es schaffte in diese Fußstapfen zu treten – ein gutes Zeichen etwas wirklich einmaliges geschaffen zu haben.

Audi Ur-Quattro von 1980

Vom Audi 80 Coupé zum Quattro

Abgeleitet wurde der neue Quattro vom Audi 80 Coupé, unterscheidet sich von diesem aber durch seine scharfen Kanten. Audi zeigte Mut zur Ecke, der Quattro entsprach dem Zeitgeist: schrill und anders. So wurde der weiß lackierte Zweitürer an einem 3. März des Jahres 1980 in einer Eislauf­halle in der Nähe des Genfer Messegeländes präsentiert. Durchaus kompakt war das Fahrzeug – der Fünfsitzer hatte einen Radstand von 2.524 Millimeter Radstand und war 4.404 Millimeter lang. Premiere also für den Quattro, Premiere für seine Technik!

Allradantrieb und 200 PS serienmäßig

Selten konnte man es einer Werbeabteilung so leicht machen. Der Quattro musste nicht umständlich in eine Nische gedrängt werden, musste nicht mit Austattungsmerkmal XYZ einer braven Familienlimousine überzeugen! Das Wort „Fahrmaschine“ passte einfach am besten. 200 PS und 295 Nm wollten schließlich bewegt werden, für den seriösen Personentransport gab es andere Modelle bei Audi. Und so röhrte der vorn längs eingebaute Motor ganz ungeniert sein Fünfzylinder-Turbo Lied. Mit zwei Ventilen pro Zylinder und 2.144 cm³ Hubraum, erreichte das Aggregat mit 0,85 bar Ladedruck und Ladeluftkühlung eine Spitzenleistung von 200 PS.

Das reichte dem 1300 kg schweren Quattro um in 7,1 Sekunden von null auf 100 km/h zu sprinten, bei einer Höchstgeschwindigkeit von rund 220 km/h. Um jetzt noch auf breiter Ebene ein Verkaufsschlager zu werden, war nur noch der Preis ein Hindernis: ab 49.900 Mark begannen die Preise – schon damals kein Schnäppchen. Dafür durfte sich der Käufer über geschmiedete Räder im Format 6 J x 15 mit Reifen der Serie 225/50 freuen, die Sportsitze genießen und bei Bedarf die serienmäßigen Nebelscheinwerfer einschalten.

1980 – 1991: 11 Jahre Audi Quattro

Über ein Jahrzehnt wurder der Ur-Quattro produziert. Dabei war am Anfang lediglich eine kleine Anzahl von 400 Stück geplant, um das Modell für die Rallye-WM zu homologieren. Im Mai 1991 schließlich rollte der letzte Quattro als Nummer 11.452 vom Band. Über seine Bauzeit wurde konstante Modellpflege betrieben. So erhielt der Innenraum mehr Komfort, unter anderem wurde das Cockpit mit Digitalanzeigen im Stil der Zeit ausgestattet. Von der Modellpflege profitierte auch das Fahrwerk und die McPherson-Federbeine und Scheibenbremsen vorn wie hinten, die immer wieder im Detail verbessert wurden. Ebenso durfte nun mit einem Antiblockier­system verzögert werden.

Mit dem 1984 präsentierten  Sport Quattro wurde gleichzeitig sein neu entwickelter Turbomotor mit Vierventiltechnik und Aluminium-Kurbelgehäuse in die Modellreihe eingeführt. Dieser leistete nun 306 PS und sorgte dank Leichtbau an der Karosse mit Kevlar & Co für souveräne Fahrleistungen. Souverän war aber auch sein Preis: 203.850 D-Mark und so wurden nur 224 Exemplare gebaut. Seine Technik mit Vierventiltechnologie gab es ab 1989 in Serie mit nunmehr 220 PS. Zwischen dem Sport Quattro und seinem Nachfolger gab es im Sommer 1987 noch eine weitere Neuheit zu feiern: das so genannte Torsen-Differenzial. Dieses Schneckenradgetriebe ersetzte das manuelle Sperrdifferenzial. Das neue Getriebe verteilte die Antriebskräfte stufenlos und leitete bis zu 75% der Momente auf die Achse mit der besseren Traktion weiter. Das hatte den großen Vorteil, daß das ABS immer regeln konnte, weil das Torsen-Differenzial seine Sperrwirkung nur unter Last entwickelte.

Audi Ur-Quattro auf dem Markt

Heute zählen vor allem die Quattros der ersten Baujahre zu gesuchten Youngtimern, die in gutem Zustand durchaus Preise von 30.000 bis über 50.000 Euro erreichen können. Das eher geringe Angebot macht die Suche nicht einfacher. Um die 10.000 Euro sollten als Minimum an Budget aufgebracht werden. Die meisten Fahrzeuge finden sich zwischen 15.000 – 25.000 Euro, wobei hier genau geprüft werden sollte ob das Fahrzeug seinem Preis entspricht.

Audi Quattro im Internet

Quelle & Fotos: Hersteller / Audi

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