Opel GT – Sex-Appeal trotz wenig Leistung

Unter allen deutschen Old- und Youngtimern gehört der Opel GT mit Sicherheit zu den schnittigsten Modellen mit dem meisten Sex-Appeal. Stilistisch stark an die amerikanische Sportwagenlegende Corvette angelehnt hat der Opel GT anscheinend alles, was einen echten Superschlitten auszeichnet. Die Ernüchterung folgt allerdings auf dem Schritt, wenn man die Motorhaube des Rüsselsheimer Sportlers öffnet und einen genaueren Blick auf die inneren Werte des GT wirft: Zwei Motorisierungsvarianten mit 90 bzw. sogar nur 60 PS lassen an alles andere als einen Sportwagen denken.

Opel GT – Optik Sportwagen, Technik Großserie

Doch der Einsatz von biederer, aber grundsolider Großserientechnik hat natürlich auch seine Vorteile. Während der Opel GT äußerlich reinste exotische Sportwagenfreuden verspricht, bietet er innerlich die bekannten deutschen Werte und Tugenden wie Stabilität und Zuverlässigkeit. Darüber hinaus liegt der GT trotz seines etwas zu kurzen Atems optimal auf der Straße und lässt sich spielend durch Kurven jagen. Es gibt wohl keinen anderen Sportwagen unter den Youngtimern, der sich so gut für den Alltagsbetrieb eignet wie der Opel GT.

Der GT sorgte für frischen Schwung im Hause Opel

Der Opel GT wurde von 1968 bis 1973 gebaut und war ursprünglich als Imageträger für den Automobilkonzern Opel gedacht. Man wollte zur damaligen Zeit, als man sich auf dem Zenit des Erfolges befand, ein wenig vom biederen Firmenimage wegkommen und der Marke Opel ein frisches Gesicht verpassen. Hierfür eignete sich natürlich kein anderes Modell besser als ein Sportwagen. Optisch lehnte man sich mit dem GT an die aufregend geschwungene Coke-Bottle Form der amerikanischen Corvette an. Eine lange Motorhaube, eine niedrige Fahrzeughöhe und ein kurzes Heck schufen die perfekten Sportwagenproportionen und schenkten dem GT einen unvergleichlichen Auftritt. Natürlich durften zu jener Zeit auch Klappscheinwerfer nicht fehlen. Die im GT verbaute Variante wurde manuell vom Innenraum aus bedient und war für Opel patentiert.

Damals und heute – ein klassischer Sportwagen trifft auf seinen Nachfolger.

Das Innenleben des GT bestand aus solider Großserientechnik von Opel. Bodengruppe, Fahrwerk und Motoren stammten aus Kadett B bzw. Rekord C. Dies sorgte für eine für Sportwagen untypische Zuverlässigkeit und Alltagstauglichkeit, was den Opel GT zusätzlich attraktiv machte. Zu Beginn der Produktion im Jahr 1968 gab es zwei Motorisierungsvarianten: den Opel GT 1100 mit einer Leistung von 60 PS aus einem 1,1 Liter-Vierzylindermotor sowie den Opel GT 1900 mit einer Leistung von 90 PS aus einem 1,9 Liter-Vierzylindermotor.

Diese Motoren sorgten natürlich bei weitem nicht für sportwagengerechte Fahrleistungen, besonders der 1,1 Liter Motor war überaus unbeliebt und wurde daher auch bereits im Jahr 1970 eingestellt. Das 1,9 Liter-Aggregat war immerhin für eine Höchstgeschwindigkeit von 185 km/h gut und hatte mit dem weniger als 1000 kg schweren Opel GT auch kein allzu schweres Spiel. Hinzu kam ein sportliches Fahrwerk, das für eine ausgezeichnete Straßenlage sorgte sowie eine gut durchdachte Gewichtsverteilung und echtem Sportwagenfeeling stand nichts mehr im Weg.

Kaufargument „Preis“ – Der Opel GT war ein Schnäppchen

Ein weiteres schlagkräftiges Kaufargument für den Opel GT war sein Preis von lediglich DM 10 000. Als Nachfolger des bereits 1970 eingestellten GT 1100 erschien dann noch eine zusätzlich abgespeckt Version namens Opel GT/J, die noch preiswerter angeboten wurde. Dafür musste die Kundschaft auf Extras wie Cordsitze, Zusatzinstrumente im Armaturenbrett und Chromteile verzichten, was dem Fahrspaß aber natürlich keinen Abbruch tat.

Aufgrund des Gesamtkonzeptes des Opel GT war man auch in den USA auf den kleinen Sportler aus Rüsselsheim aufmerksam geworden, weshalb es nicht verwundert, dass mehr als die Hälfte der Gesamtproduktion nach Übersee verschifft wurde. In Amerika erfreute sich der Opel GT als „Baby-Corvette“ besonderer Beliebtheit und hatte schon bald eine stetig wachsende Fangemeinde.

Im Jahr 1973 wurde die Produktion des Opel GT nach ca. 100 000 gebauten Exemplaren eingestellt. Ein Nachfolgemodell wurde aus verschiedenen Gründen nicht gebaut, jedoch belebte Opel den Namen GT in den Jahren 2007 bis 2009 wieder. In dieser Zeit wurde ein Roadster mit dem Namen Opel GT gebaut, welcher der Nachfolger des Opel Speedster war.

Wer heute mit dem Gedanken spielt, sich einen Opel GT zuzulegen, kann sich auf viel Fahrspaß freuen, sollte aber auch einige wichtige Punkte berücksichtigen. Auf jeden Fall sollte man sich ein unverbasteltes, ungetuntes Exemplar mit nachvollziehbarer Historie zulegen. Nur allzu oft wurde der GT Opfer bastelwütiger Freizeit-Schumis, was nicht selten sein vorzeitiges Ableben bedeutete. Um einen Überblick über die Schwachstellen dieses Fahrzeuges zu bekommen, ist die Lektüre mehrerer Auto Ratgeber empfehlenswert. Die Großserientechnik ist relativ robust und unkompliziert, während Rost schon ein größeres Problem darstellt. Zwischen EUR 15 000 und EUR 20 000 bekommt man einen ehrlichen GT in gutem Zustand und dem Fahrspaß made in Rüsselsheim steht nichts mehr im Weg.

Fotos: Hersteller / Opel

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