Ford Capri: Kult und Mythos

Wir präsentieren eine neue Kategorie im Blog: Auto-Klassiker! Hier gibt es in Zukunft einige der bekanntesten, weniger bekannten und teils ungewöhnlichen Fahrzeuge aus den vergangenen Jahrzehnten.

Den Anfang macht der Ford Capri. Was für ein Name! Das weckt förmlich die Lust auf einen Lastminute Urlaub auf die italienische Felseninsel! Das ganze Jahr über mildes Klima, eine immergrüne Natur, dazu der aromatische Duft von Öl- und Obstbäumen. Also warum nicht auch ein Auto danach benennen? Über 40 Jahre gibt es den Ford Capri nun schon, wie doch die Zeit vergeht!

Der Capri weckte damals bei vielen den Wunsch nach einem sportlichen Auto – solide aber bezahlbar. Ein Konzept welches funktionierte. In den Jahren zwischen 1969 und 1986 wurden stolze 1,9 Millionen Fahrzeuge verkauft! Denn den Ford Capri konnte man sich leisten, er war nicht in unerreichbaren Preisregionen angesiedelt sondern zu einem realistischen Preis vom Händler des Vertrauens zu erwerben.

Der Ford Capri – erstaunlich bodenständig

Was gab es zu dieser Zeit? Ein buntes Programm verschiedener Hersteller, es war fast für jeden etwas dabei. Doch wenn es ein sportliches Coupé sein sollte wurde die Luft dünn. An dieser Stelle reagierte Ford und baute genau das Fahrzeug, was sich viele wünschten. Dabei war daran eigentlich nichts außergewöhnlich. Der Ford Capri war war sogar bodenständig und von solider Machart, sozialkompatibel und neidresistent – eben weil der Traum erreichbar war.

Über die Jahrzehnte wurde der Capri beständig weiterentwickelt. So folgten dem Ur-Capri von 1969 bis 1973 die zweite Generation, schlicht Capri II genannt. Diese wurde von 1974 bis 1977 produziert und wurde vom Capri III abgelöst, der immerhin von 1978 bis 1986 produziert wurde.

Ford Capri I von 1969-1973

Beginnen wir mit einem Originalzitat, mit dem Ford damals den Capri beworben hat:

„Form, Größe und Fahrleistungen dieses Wagens vereinigen sich zu einem neuartigen Begriff der Sportlichkeit. Denn der Capri ist weder ein Kompromiss zwischen Sportwagen und Familienwagen, noch ist er eine abgewandelte Limousine.

Er ist, vereinfacht ausgedrückt, ein mittelgroßes Fastback-Coupé von äußerst ansprechender, sportlicher Form. Dabei ist er, gemessen an Sportwagen-Standards, überaus geräumig – er bietet Platz für vier Personen und ihr Gepäck –, und hat dennoch viele der Eigenschaften, die einen echten Sportwagen auszeichnen. Bis auf den Preis!“

Und genau das sind die Eigenschaften, die viele andere Hersteller eben nicht bieten konnten: sportliche Form (ohne dabei schamhaft als eben zusammengeschusterte Notlösung herzuhalten) und dazu noch groß genug um auch die Familie gut unterzubringen.

Der Capri war also tatsächlich neu und Ford macht gleich auf dicke Hose und bot sein Fahrzeug als „konkurrenzlos“ an. Etwas zu hoch gegriffen? Die wichtigste Zielgruppe waren junge Männer zwischen 18 und 29 Jahren und genau dort kam der Capri sehr gut an.

Die neue Modellreihe startete mit fünf Varianten:

  • Capri 1300
  • Capri 1500
  • Capri 1700 GT
  • Capri 2000
  • Capri 2300 GT

Der V6 ließ sich an der Ausbuchtung in der Motorhaube, dem „Power-Buckel“, erkennen. Von eher beschaulichen 50 PS, die für 22,7 Sekunden im 1300 von 0-100 km/h gut waren, bis zum 108 PS starken 2300 GT der nur 10,8 Sekunden benötigte boten die Motoren für jede Preisklasse etwas passendes. Die Höchstgeschwindigkeit lag zwischen 133 und 178 km/h.

Im Herbst des Jahres 1969 kam der Capri 2300 GT mit „scharfer“ Nockenwelle, Doppelauspuff, Änderungen an Zündung und Vergaser und nun 125 PS. Für den Sprint von 0-100 benötigte dieser nur noch 9,8 Sekunden bei einer Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h.

Ford Capri I startet zum Schnäppchenpreis

Ein Knaller fand sich dann aber beim Preis – nur 6.995 DM waren für das Einstiegsmodell Capri 1300 fällig. Dieser war zwar als einziger nicht mit Dreistufengetriebe verfügbar, sondern nur mit dem standardmäßigen Viergang-Handschalter, bot aber auch in der kleinsten Motorisierung schon Fahrspaß.

Damals war das Thema Höchstgeschwindigkeit zwar schon interessant, aber noch nicht ganz so wichtig wie heute. Die Ölkrise um 1973 tat ihr übriges, lieber eine Nummer kleiner zu wählen als ganz zu verzichten. Der günstige Preis ließ sich aber auch nur dadurch halten, daß auf bereits bewährte Technik zurückgegriffen wurde. Die Fahrwerkstechnik mit der McPherson Federbein-Vorderachse und der starren Hinterachse an Halbelliptik-Längsblattfedern wurde fast unverändert vom Ford Taunus übernommen. Produziert wurde neben dem Stammwerk Niehl auch im englischen Halewood, aus dem auch die britischen Motoren stammen.

Ford Capri 2300 GT von 1969-1972
Ford Capri 2300 GT von 1969-1972

Der Kult des Ford Capri entwickelte sich fast von allein. Sicher, markige Werbesprüche mögen auch den ein oder anderen beeindruckt haben. Aber das Fahrzeug schien genau zur richtigen Zeit präsentiert worden zu sein. Bereits zur nächsten IAA wurden 75.000 Capris produziert. Man konnte mit den Bestellungen nicht mehr Schritt halten. Nach fünf Jahren Bauzeit des ersten Capri wurden imposante 784.000 Einheiten verkauft, 244.000 davon auf dem Heimatmarkt.

Über die Jahre gab es behutsame Modellpflege, so wurde der 2300 GT durch den ebenfalls 125 PS starken 2600 GT ersetzt. Begehrt war der 1970 vorgestellte Capri 2600 RS. Dieser bot mit 15.800 DM einen stolzen Kaufpreis, aber auch viele Extras: 150 PS, Kugelfischer-Einspritzung, Sportfahrwerk und das markante Doppelscheinwerfer-Gesicht.

1973 gab es dann ein Facelift mit neuen Rechteck- und Doppelscheinwerfer, großflächigen Rückleuchten, der Innenraum wurde ebenso überarbeit wie die Abstimmung des Fahrwerks. Die V4-Motoren verschwanden aus dem Programm und wurden durch 1,3l und 1,6l Reihenvierzylinder mit 55 und 72 PS bzw. 88 PS aus dem Taunus ersetzt. Die Speerspitze übernahm der 140 PS 3,0l V6 aus dem Granada und Consul GT.

Ford Capri II von 1974-1977

Diana, wie sie intern genannt wurde, suchte sich eine unglückliche Zeit für ihre Präsentation aus. Ölkrise und schwächelnde Wirtschaft dämpften die Kauflust nach sportlichen Fahrzeugen deutlich. Sonntagsfahrverbote und Geschwindigkeitsbeschränkungen waren weitere Einschränkungen.

Nur war der Capri eben eher ein braves Fahrzeug mit einer gelungenen Linienführung! Der Capri II wurde gezielt auf eine praxistaugliche Käufergruppe ausgerichtet, aber ohne mit langweiliger Optik das Auge zu quälen. So gab es bei dem Modellwechsel auch vieles mit an Board, was gern gesehen wurde:

  • Stahlgürtelreifen
  • Stabilisatoren
  • Scheibenbremsen
  • Bremskraftverstärker
  • heizbare Heckscheibe
  • elektrische Scheibenwischer

Eine durchaus gelunge Mischung. Mit der langen Motorhaube, der niedrigen Dach- und Gürtellinie und dem knackigen Heck war der Capri II optisch kein Fehlgriff und trumpfte beim Käufer wieder als vollwertiger Viersitzer auf.

In die Karosserielinie einbezogene, große Rechteckscheinwerfer mit integrierten Blinkleuchten, eine kleine Erhebung in der Motorhaube mit dem schwarzen Gittergrill und eine gerade Stoßstange machten an. Optisch gestreckt wirkte der Wagen durch die noch weiter nach hinten gezogenen Seitenfenster. Das Beladen über das Heck wurde von zwei Gasdruck-Federbeinen vereinfacht, unaufällig aber sehr praktisch.

Für eine bessere Straßenlage sorgten Spurverbreiterungen am Fahrwerk. Bei dem Antrieb sei das neue Automatikgetriebe C3 zu nennen. Dieses war nicht nur leichter als vom Vorgänger, sondern machte den Capri II auch agiler – ohne den Spritverbrauch zu erhöhen. Ansonsten wurden die Motoren der ersten Baureihe übernommen, der „kleine“ 1.3er nun allerdings aus dem Ford Escort. Der 2600 GT flog aus dem Modellprogramm. Wer Leistung wollte, bekam diese trotzdem in Form der 2,3 Liter Hubraum Version mit 108 PS und dem 3,0 Liter „Essex“-Motor, der nun 138 statt 140 PS leistete.

1976 wurde die Capri II Modellpalette umfangreich überarbeitet. Darunter fielen die Ausstattungsstruktur und verschiedenen Innenraumdetails ebenso wie die Motoren. Ein 2,0 Liter-V6 mit 90 PS ersetzte den 1600er mit 88 PS. Laufkultur, Dynamik und der akzeptable Verbrauch verbanden sich mit seiner Zuverlässigkeit zu einer sehr guten Wahl für den Capri. Der entfallenen GT-Version folgte der sportliche straff abgestimmte Capri S. Wer nicht den großen 3,0 Liter Motor wollte, konnte auch die kleineren 90 PS oder 108 PS Sechszylinder ordern.

Ford Capri III von 1978-1986

Im Jahre 1978 kam der Auftritt von „Carla“ als letzte Ford Capri Modellreihe. Diese fiel gleich durch eine neue Front mit Halogen-Doppelscheinwerfern und dem integrierten Frontspoiler auf. Weitere Neuheit an der Optik waren die bis an die Radauschnitte geführte Stoßstange und das Lamellen-Kühlergrill. Kommen wir zu den Motoren, deren Angebot etwas geschrumpft ist. Der 1,3 Liter entfiel, so blieben zwei 1,6 Liter-Reihenvierzylinder sowie drei V6-Aggregate mit 2,0-, 2,3- und 3,0 Litern Hubraum und einer Leistung zwischen 68 bis 138 PS.

Bereits 1979 legte Ford wieder Hand an bei den Motoren. Der 2,0 V6 mit 90 PS konnte nun mit Normal- statt Superbenzin gefahren werden. Der 2,3 V6 leistete 114 PS statt 108 PS. Im Laufe des Jahres kam ein 2,0-Vierzylindermotor mit 101 PS dazu, der sparsam und temparamentvoll zugleich sein sollte.

Im Jahre 1981 kam mit dem 2,8 Injection ein neuer 2,8 Liter-V6-Einspritzmotor mit 160 PS. Auf freier Strecke schaffte dieser 210 km/h bei einer Beschleunigung von 0-100 in acht Sekunden. Da etwas mehr immer geht, wurde im selben Jahr noch der vom KKK-Turbolader auf 188 PS gebrachte 2,8 Liter-V6 aus dem Granada präsentiert. Dazu gab es Kotflügelverbreiterungen, 235er-Bereifung sowie Front- und Heckbespoilerung.

1981 wurde der 2,8 Injection anstelle der 2,0 und 3,0-V6 ins Programm aufgenommen. 1983 wurde der 2,0 GT mit 101-PS-Vierzylindermotor als Einstiegsmodell vorgestellt. Mittig im Programm platziert wwurde der 2,3 S V6 mit 114 PS oder 2,0 R4 mit 101 PS. Spitzenmodell war der 2,8 Injection. Damit hatte der Capri III seine Zeit auch fast erreicht. 1984 kamen Super GT und Super Injection und am 18. Dezember 1986 rollte der letzte von 1.900.678 Ford Capri vom Band.

Ford Capri auf dem Markt

Bei der Menge an produzierten Fahrzeugen sollte man meinen der Markt bietet reichlich Auswahl. Doch das Angebot des Capri I und Capri II ist nicht wirklich umfangreich. Die Preise beginnen um die 6.000 Euro, durchbrechen aber auch sehr schnell die 20.000 Euro Schwelle. Bei dem geringen Angebot (zum Zeitpunkt von diesem Artikel ca. 30 Fahrzeuge) lassen sich nicht wirklich Perlen ausmachen. Oder es trifft auch hier der Spekulationswahnsinn zu und die Preise einiger Anbieter gehen durch die Decke. Da bleibt als erste Wahl nur, sich an spezielle Oldtimer Börsen oder Fanclubs zu wenden.

Die letzte Baureihe Capri III beginnt preislich bei rund 5.000 Euro. Da diese Fahrzeuge selten frei von Mängeln sind, sollte überlegt werden gleich ein gepflegteres Exemplar zu wählen (ab 10.000 Euro). Originale Capri III abseits von Bassbox & Co liegen bei 15.000 bis 20.000 Euro. Aber auch hier sollte noch Geld vorhanden sein, um typische Alterswehwehchen beheben zu können.

Ford Capri im Internet

Bilder: Ford

2 Kommentare Jetzt kommentieren! →


  1. Fred

    Ein Traum auf Rädern, ohne Zweifel! Dass die Preise auch bei Ford (abseits vom Mustang) zum Teil wahnwitzig sind, zeigt ein Blick bei mobile: über 50.000 Euro sind für einen Capri schon ziemlich nah am Spekulationsobjekt. Ich hoffe inständig, dass sich solche Fahrzeuge die Reifen platt stehen und das Hobby Oldtimer nicht noch weiter vermiest wird.

    Danke für den tollen Artikel!
    gruß Fred

    Antwort
  2. Heinz

    Immer wieder schön solch Oldtimer anzusehen, da schlägt mein Herz gleich höher!

    Grüße Heinz

    Antwort

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