Oldtimer-Import – Nepper, Schlepper, Spachtelkünstler

Zoll, Fiskus, Kadi, Sprache, Geschäftsgebaren – die Hürden beim Oldtimerkauf im Ausland sind hoch, die Risiken vielfältig. Besonders in den USA und Kanada. Gerade dort aber locken Traumwagen zu Spottpreisen, günstigen Wechselkursen sei Dank. Der Import aus den EU-Mitgliedsstaaten kann sich ebenfalls lohnen. Welche Hürden zu nehmen sind und worauf man unbedingt achten sollte, dazu haben die Oldtimer-Experten von TÜV SÜD Tipps zusammengestellt. Der Import historischer Fahrzeuge ist auch Schwerpunkt bei TÜV SÜD auf der 10. Retro Classics, die von Donnerstag (Fachbesucher- und Pressetag), 11. März, bis Sonntag, 14. März, in der neuen Messe Stuttgart stattfindet.

Trau keinem über 30: Wer sich auf die Suche nach dem Traumwagen im Internet oder in Oldtimer-Magazinen begibt, sollte grundsätzlich beachten: Bilder, die dort zum Kauf anlocken, sind meist wenig aussagekräftig, die Angaben genau zu überprüfen. Dazu Matthias Gerst, Oldtimer-Experte von TÜV SÜD: „Wer sich dazu entschieden hat, selbst ein Fahrzeug zu importieren, sollte sich bei der Vorauswahl auf jeden Fall mit dem Anbieter in Verbindung setzen und sich detailliert über das Fahrzeug erkundigen.“

Kennt man sich mit dem Wunschmodell nicht genau aus, ist es hilfreich, sich in Fachzeitschriften oder bei Oldtimer-Vereinen über die Schwachstellen des Fahrzeugs genau zu informieren und diese im Vorfeld abzuklopfen. „Dazu gehören auf jeden Fall Detailaufnahmen zur Identifizierung wie beispielsweise Motor- und Fahrgestellnummer und auch von den Reifen/Rädern. Sinnvoll ist es auch, sich Fotos von Achsaufhängung oder Türfalzen und die genaue Geschichte des Oldies schicken zu lassen“, so Gerst. Hilfreich ebenfalls, wenn der Anbieter schon vor der Besichtigungs- und Probefahrt-Reise Kopien von Reparatur- und Wartungsrechnungen sowie von den Papieren (Brief/Zulassung) zuschickt. Sie belegen den Wahrheitsgehalt der vorgelegten Fahrzeughistorie. Bei Oldtimern zudem darauf achten, dass sich das Fahrzeug weitestgehend im Originalzustand befindet: Nur dann werden Autos, die älter als 30 Jahre sind, hierzulande als historisch eingestuft. Umfangreiche Umbauten indes führen schnell zum Verlust der H-Zulassung.

Oldtimer aus den USA oder Kanada, die im Internet angeboten werden, werden also nicht per se auch hierzulande als historisch eingestuft, die Vergünstigungen für das automobile Kulturgut können dann eventuell entfallen.

Stimmen die Angaben und der Preis, steht der Reise zum neuen Alten nichts mehr im Wege. Führt der Weg über den Atlantik, auf jeden Fall vorab mehrere Angebote checken, damit sich die Reise lohnt.

Spachtelkünstler über dem Teich: Gerade in den USA oder Kanada sollte man beim Zustand des Wagens ganz genau hinschauen, denn in der neuen Welt legt man nicht so viel Wert auf Altes, das Sicherheitsbedürfnis ist nicht so ausgeprägt wie in der alten Welt: Autos werden lange nicht so gut gewartet. „Selbst die Bescheinigung über einen aktuellen Werkstattcheck ist nicht unbedingt eine Garantie dafür, dass der Wagen in Ordnung ist“, so Gerst. Stichwort Rost: Unter Oldtimerliebhabern kursiert die Weisheit, dass Fahrzeuge aus Süd-Kalifornien besonders korrosionsfrei seien. Aber Achtung: Lackierarbeiten sind in den USA und Kanada vergleichsweise günstig und es gibt in Amerika wahre Spachtelkünstler. Hinweis: Auch der klassische Magnet-Test ist nicht mehr hundertprozentig aussagekräftig, seitdem es Spachtel mit Eisenspänen gibt.

Falsche Kiste im Container: Selbst kaufen oder importieren lassen? Große Falle beim Kauf in den USA und Kanada: Alles richtig gemacht, den Chevy oder die Pagode intensiv angeschaut und Probe gefahren und ein einwandfreies Fahrzeug gekauft. Der Händler in den USA wurde mit dem Export beauftragt. Nur: Am Hafen in Rotterdam steht zwar das gleiche Modell auf dem Kai, Rost und Dellen verraten aber auf den ersten Blick: Dieses Auto ist nicht meins. Fazit: Geld weg, Schrott in der Garage, nochmals doppelt so viel Geld investieren, bis das Auto so dasteht, wie es gekauft wurde. Das passiert nicht, wenn man den Wagen bei einem Importeur hierzulande kauft. Was oft gar nicht so viel teurer ist, weil viel Zeit und Aufwand für die Formalitäten rund um Zölle, Abgaben, Einfuhr, Transport etc. wegfallen. Wer aber die Vermittlungskosten sparen will und keinen Wert auf Garantieleistungen legt, der sollte besser bei einer Privatperson kaufen als bei einem US-Händler. Die sind bei Verhandlungen oft noch hartnäckiger als ihre deutschen Kollegen. Die fremde Sprache birgt darüber hinaus immer die Gefahr, dass man beim Kleingedruckten übers Ohr gehauen wird. Achtung: Gerichtsstand ist natürlich im Kaufland. Auseinandersetzungen in den USA und Kanada sind besonders schwierig und kostspielig.

US-Cars aus Drittländern: Buick Skylark, Corvette oder AC Cobra – geht es speziell um einen amerikanischen Traumwagen, ist es hilfreich, sich ebenfalls in europäischen Ländern umzuschauen, die nicht Mitglied in der EU sind. In Schweden oder der Schweiz gibt es ausgeprägte Oldtimer-Szenen für US-Cars mit den entsprechenden Angeboten der Händler. Nachteil: Natürlich fallen beim Traumwagen-Import aus Nicht-EU-Staaten wieder Steuern und Zölle an.

Steuern und Co. im Detail: Wer selbst importiert, sollte sich vorab genau über die zusätzlichen Kosten für Steuern, Zölle und den Transport informieren. In den USA gibt es die so genannte Kaufsteuer.

Sie ist in den verschiedenen Bundesstaaten unterschiedlich hoch. Wird der Wagen jedoch umgehend exportiert, entfällt diese Abgabe. Der Einfuhrzoll aus den USA oder Kanada beträgt zehn Prozent. Berechnungsgrundlage ist der Kaufpreis zuzüglich Transportkosten. Handelt es sich um einen Pickup oder ein SUV, können aber auch 22 Prozent veranschlagt werden – das ist der Satz für Lkw. Deshalb vorher unbedingt schlau machen, ob der Oldie als Pkw durchgeht. Beim Import in die EU kommt der gesetzliche Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent dazu. Der entfällt jedoch, wenn der Käufer beweisen kann, dass es sich bei dem Fahrzeug um einen Reimport handelt. Das ist immer dann der Fall, wenn der Wagen in einem EU-Mitgliedsstaat gebaut worden ist. So entfällt beispielsweise für die „DS“ die Mehrwertsteuer. TÜV SÜD-Amerikatipp in Sachen Leistung: Wurde der Oldie vor 1972 gebaut, sind die PS-Angaben anders berechnet worden, und der Wagen erscheint wesentlich stärker.

Ohne den Fiskus: Der Import historischer Automobile aus anderen EU-Staaten ist im Vergleich zu den USA und Kanada recht einfach. Zölle fallen weg, die Zulassung in Deutschland ist einfach, wenn die Originalpapiere vorliegen. Trotzdem braucht man für die Zulassung einige Dokumente: Den Nachweis über ein bestandenes Vollgutachten (§21 StVZO) sowie Eigentumsnachweise in Form von Kaufvertrag, Rechnung, Fahrzeugpapiere etc. Liegen nicht alle erforderlichen Daten bei der technischen Abnahme vor, hilft Ihnen TÜV SÜD mit seiner umfangreichen Datensammlung weiter. Bei Fahrzeugen mit einer Erstzulassung ab dem 01.07.1969 (Benziner, Diesel: 01.01.1977) braucht man zur Anmeldung in Deutschland auch die Prüfbescheinigung über die Abgasuntersuchung.

Spezialisten am Stand: Wo bekommt man Unterstützung, wenn man seinen Traum-Oldtimer im Ausland gefunden hat? Die Experten von TÜV SÜD bieten rund um diese Thematik ein breites Spektrum an Dienstleistungen an. Sei es bei der Beratung, beim Gutachten, bei Änderungs- und Vollgutachten oder beim Wert- bzw. Wiederaufbauwertgutachten. Auf dem TÜV SÜD-Stand, Halle 1, Stand J54 (Eingang Ost) auf der Retro Classics, kann man sich auch live bei den Spezialisten informieren. Sie geben Tipps zum Kauf und helfen in konkreten Fällen, die Angaben von Verkäufern zu durchleuchten. Die Fachleute stehen mit technischen Tipps und Datenbanken parat, wenn es darum geht, ein altes Fahrzeug wieder aufzubauen, erstellen Gutachten für das H-Kennzeichen oder Wertgutachten. Schmankerl zum Bestaunen auf dem Stand: der so genannte Große Werkmeister, ein Eigenbau auf BMW-Basis, Baujahr 1952.

TÜV SÜD veranstaltet dazu eine Podiumsdiskussion mit Experten unter dem Motto: „Oldtimer-Import – einmalige Chance oder unkalkulierbares Risiko?“.

Sie findet am Donnerstag, 11. März, um 16 Uhr auf der Show-Bühne in Halle 1 statt. Am Samstag, 13. März, 12:30 Uhr hält TÜV SÜD-Spezialist Matthias Gerst einen Fachvortrag mit dem Titel „Faszination Oldtimer“.

Weitere Informationen zu Dienstleistungen rund um Oldtimer unter www.tuev-sued.de.

Quelle & Bild: TÜV SÜD

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